Sturmgrün

das Wasser steigt
den Horizont hinauf
wälzt sich in unsere Augen

Ich gehe
windschief
gegen die Wolken gestemmt
die in deine Stirn rollen
drücke den Hühnergott
in deiner Tasche

Und schweige salzlippig
bis sich die Tür
an deinen Mundwinkeln öffnet

Wellenschweigen

Scharfkantig schneidet Sonne
dein fremdvertrautes Gesicht
aus den Nebeln unserer Nähe
setzen wir Füße in Strandweiß

Augenblicks gehen uns Jahre verloren
wer grübe sie aus
unter der Wellen Schlag
frisst Zeit sich fest

Im Nebel ein Singen
berührt Handflächen
tragen Zittern und Mauerseelen
möwenschnell

Saphirgrün das Meer
legt zahm sich zu Füßen der Zeit
klippenhoher Ton singt Rot
die Stirnen falten verlorene Wege
und streichen sich glatt

Möwenblicke bewachen
die Grenze zwischen Welt und Himmel
verlieren auch heute
dämmerwärts

Wellenschweigen senkt sich
über dein Auge
in dem ich ruhe unbewegt
atme ich übers Wasser
und Welle um Welle bricht
still

FROSCHKÜSSEN

Prinzessin Rosamunde war ein wenig traurig.
Und dies trotz ihrer wunderbaren Kleider an einer Stange aufgereiht, die durch das halbe Schloss führte (Allerdings nicht VON der Stange!).
Trotz ihres schönen, luxuriösen Schlosses (Sieben-Sterne-Standard!). Trotz der circa achthundert Paar Schuhe.
Und trotz der täglich (mindestens!) drei Bewerber, die die 1000 Vasen des Schlosses mit frischen Rosen füllten und vor Rosamunde den Fußboden schrubbten.
Irgendetwas musste noch fehlen zu Rosamundes Glück. Vielleicht ein Prinz, ein richtiger märchenhafter Prinz an ihrer Seite? Vielleicht. Aber woher nehmen?
Rosamunde lief in ihrem herrlichen Garten umher, doch alle zwitschernden Vögelchen, alle zirpenden Grillen und alle duftenden Blümchen konnten sie nicht fröhlicher stimmen. Da drang in ihre zarten Öhrchen ein unangenehmes „Quaaak“.
Rosamunde guckte verwundert aus ihrer edlen Wäsche. Und endlich entdeckte sie einen kleinen, grünen Kerl, aus dessen breitem Maul das gekommen sein mochte. „Küss mich,“ quakte der Typ und reckte sich auf die wackeligen Delikatessenbeinchen.
„Ph “, machte Rosamunde und spitzte den rosa Mund.
„Da könnte ja jeder kommen… “
„Aber ich bin doch ein verzauberter Prinz“, sagte der Frosch.
„Na, den Trick kenn ich schon“, antwortete Rosamunde, drehte sich auf dem Absatz um und stöckelte davon. Aber nach drei Schritten stolperte sie auf ihren Hochhackigen und- pardauz…
…fiel sie auf den – nein, nicht auf ihren Allerwertesten, auch nicht auf ihre Stupsnase, nein, sie fiel genau auf den Frosch! Der hatte sich nämlich in Windeseile vor sie geworfen.
„Danke, sehr aufmerksam“, murmelte Rosamunde verlegen und kühl zugleich, wie Prinzessinnen nun einmal sind.
„Krieg ich nun nicht doch einen klitzekleinen, ich meine, vielleicht bin ich ja genau der Prinz, den du dir… “
„Den ich mir wünsche? Das glaube ich kaum! Ich hab doch Augen im Kopf!“
„Was hast du zu verlieren? Ich küsse ganz gut, ob als Frosch oder Prinz… “
„Nein, danke!“ sagte die Prinzessin und drehte sich erneut um.
„Rosamunde,“ sagte der Frosch da mit tiefer, schöner Stimme.
„Rosamunde, wir sind füreinander bestimmt. Küss mich und wir werden uns für immer lieben.“
Die Prinzessin blieb stehen.
„Na gut“, seufzte sie und murmelte:„Ich hab schließlich schon
Hässlichere geküsst. Hans-Peter-Claus zum Beispiel. Oder den dicken Ritter, der mir den Traumurlaub in den Drachenhöhlen inklusive Drachenreiten bezahlt hat… “
Sie neigte sich also hinab, spitzte die Lippen und schloss die Augen …
Und siehe da, der Frosch verwandelte sich in einen…