Daphne wartet oder Über meinen Leib legt sich Spinnweb

Mein Ufer verwildert
unterm Fehlen deiner Hände
sprießen Wildkräuter meiner Gedanken
in dunkle Himmel
alles Schilf steht still
nachtatemlos
vertrocknet die Muttererde
Hyazinthen strecken sich
nach deiner Wärme

Der Weg ausgetreten
von deinem Fuß
mein immergrünes Haar zausen die Winde
unterm Mantel der Nacht verberge ich
meine ruhelose Nacktheit
pulsiert in hölzernen Adern
treibt unterirdisch aus
und Falter zucken
in Netzen

Und den Zaun verwitterter Wünsche
ziehe ich hoch über den Horizont
weit über meinen Leib
legt sich Spinnweb
und Morgentau

„Die Poesie heilt die Wunden, die der Verstand schlägt.“
~ Novalis ~

Sommer

Veröffentlicht in »Resonanz« (Literareon des Herbert-Utz-Verlages, München, 2000)

Dreibäumehoch
von dir ein Traum
in Wolkennähe
märchenzahlig

Unbekleideter Geist
schwimmt frei
am Seerosenblatt ankernd
quakt fröhlich ein Solo
Am Rand tropft Beifall

Windgetrocknet
über trägem Grün
ich
umarme den Grashalm

puste ein Loch in die Luft
verwehe darin